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Ein Haus voller Geschichten

Das Friedel-Orth-Hospiz lebt von seinen Gästen, Mitarbeitenden und Unterstützern. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, die er mit dem Haus verbindet.

„Musik öffnet die Herzen“

Musik löst Emotionen aus. Sie kann beruhigen oder aufwühlen, glücklich oder traurig machen. Das weiß auch Hospiz-Mitarbeiterin Helga Meents, die im Jahr 2011 den Hospizchor gegründet hat. Seitdem kann man die Gruppe, bestehend aus etwa zehn Personen, jedes Jahr beim Sommerfest hören. Außerdem gibt es einmal jährlich für die Gäste und ihre Zugehörigen ein Advents- und ein Frühlingssingen. Mittlerweile singt der Hospizchor seit gut vier Jahren einmal im Monat nachmittags für etwa eineinhalb Stunden in der Wohnküche des Hospizes.

Wie kam es zu der Entstehung des Hospizchores?

Ich singe selber gerne und spiele Gitarre. Da Musik für mich persönlich eine große Bereicherung ist, wollte ich gerne selber etwas musikalisch gestalten. Einige unserer Ehrenamtlichen singen ebenfalls gerne und so entstand aus Einzelnen ein kleiner Chor mit etwa zehn Sängern.

Wieso ist Ihrer Meinung nach Musik so wichtig?

Musik öffnet die Herzen. Unsere Gäste können einen Musikwunsch äußern, ihre Stimmung ausdrücken und Gemeinschaft erfahren. Wo z. B. kaum noch Kommunikation möglich ist, erfrage ich die Musikvorlieben bei den Angehörigen und kann häufig Reaktionen wie Freude, Lächeln und auch Tränen bemerken. Das Hören eines Menschen bleibt bis zuletzt vorhanden - bis zur letzten Lebendsekunde werden Geräusche wahrgenommen.

Wie reagieren die Gäste und ihre Familien auf Chor?

Das ist ganz unterschiedlich: Einige Gäste lassen ihre Tür offen stehen, um uns zu hören. Wenn es ihre Situation zulässt, kommen sie mit dem Rollstuhl oder dem Bett in die Wohnküche, um aktiv zuzuhören, mitzusummen oder mitzusingen. Es gibt aber auch Gäste, die in ihrer Situationen keine Musik wünschen, sie halten dann ihre Tür geschlossen. Manchen Angehörigen wird es schwer ums Herz, wenn wir z. B. "Dat du min Leevsten büst" singen. Das löst in dieser Zeit viele Emotionen aus.

Gibt es Momente, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Davon gibt es einige: Wir hatten einmal einen Gast, der selber gerne Gitarre spielte. Er konnte zuletzt kaum noch die Akkorde greifen und wir haben dann sein Lieblingslied "Heute hier, morgen dort" für ihn gesungen. Das war sehr bewegend und unser Gast hat sich unglaublich gefreut. Ein anderer sehr bewegender Moment war für mich, als ein Bruder für seine Schwester ein Gitarrenlied in ihrem Zimmer gespielt hat. Als ich dazu kam, war ich zu Tränen gerührt. Es gab aber auch einen sehr lustigen Moment, an den ich mich gerne erinnere. Als beim Faschingssingen die Stimmung eh schon sehr locker war, kam eine Dame mit einer Federboa tänzelnd aus ihrem Zimmer und hat mitgemacht. Das war einfach lustig und hat uns total gefreut.

Gut vorbereitet ins Berufsleben

"Unsere Schüler sind ein Geschenk", sagt Regina Grimm, stellvertretende Pflegedienstleitung im Friedel-Orth-Hospiz. Mit Schülern meint sie junge Menschen, die eine Ausbildung in den Bereichen Gesundheits- und Krankenpflege oder Altenpflege absolvieren und einen Teil davon im Friedel-Orth-Hospiz verbringen. Hierzu gehören zurzeit auch Kira Ihnken (20) und Emily Lechelt (19). Beide erlernen den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin, Kira im Krankenhaus in Wittmund und Emily im Klinikum Wilhelmshaven. "Während unserer Ausbildung haben wir die Möglichkeit, Außeneinsätze in anderen Einrichtungen oder ambulanten Diensten zu absolvieren", sagt Emily. Die 19jährige wollte schon ihr FSJ in dem Hospiz in Jever machen, war damals jedoch zu jung. "Dass es dann mit dem Außeneinsatz während der Ausbildung geklappt hat, freute mich umso mehr", sagt sie heute. Auch Kira hat sich bewusst für einen Einsatz im Hospiz entschieden: "Ich habe schon viel vom Hospiz gehört und es sind ganz unterschiedliche Fragen aufgetaucht: Wie fühlen die Gäste? Was für Bedürfnisse haben sie? Was erwartet mich als junger Mensch in einem Hospiz?"

Ihre erste Ansprechpartnerin ist Regina Grimm. Von Beginn an ist sie als verantwortliche Praxisanleiterin im Friedel-Orth-Hospiz tätig. Sie führt die Vorgespräche und steht in Kontakt mit den Krankenpflegeschulen und Ausbildungsbetrieben. Seit 2011 haben schon über 200 Auszubildende im Friedel-Orth-Hospiz einen Einblick in die Hospizarbeit erhalten können. Voraussetzung für einen Außeneinsatz im Hospiz ist, dass die jungen Menschen ein Seminar zum Thema "Tod und Sterben" absolviert haben, was sich auch in der Praxis bewährt hat. "Die jungen Menschen kommen in der Regel sehr gut vorbereitet, was die Arbeit unglaublich erleichtert", sagt Regina Grimm. Für ihre Kollegen und sich sieht sie eine große Chance in den Einsätzen der Schüler: "Die Auszubildenden kommen im 2. oder 3. Ausbildungsjahr zu uns. Sie verfügen dann schon über eigenes Wissen und Erfahrungen und bringen somit auch gute Anregungen für uns als Team mit."

Die Zeit im Hospiz nehmen die beiden jungen Damen als sehr angenehm wahr. "Die Atmosphäre hier ist sehr familiär und die Kollegen nehmen sich viel Zeit für uns ", sagt Emily. Kira schließt sich dem an: "Der Umgang hier ist sehr respektvoll und es wird auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen. Die Lebensqualität der Gäste steht immer im Vordergrund. Für mich ist es ein sehr schönes Arbeiten, auch wenn sich dieses von der Arbeit im Krankenhaus unterscheidet. Besonders musste ich mich daran gewöhnen, zu entschleunigen." Während ihres Einsatzes lernen Kira und Emily viel über die palliative Versorgung. Besonders beeindruckt sind sie davon, wie z. B. durch Aromapflege, Akupressur oder auch die Klangschalenpraxis Schmerzen und Symptome wie Übelkeit oder Luftnot gelindert werden können. "Dies gehört zum ganzheitlichen Ansatz unserer Arbeit und es ist dem gesamten Team wichtig, diese Kenntnisse weiterzugeben", sagt Regina Grimm.

Die beiden Schülerinnen sind während des Außeneinsatzes natürlich in der Pflege tätig, aber auch in der Begleitung der Gäste. "Unsere Gäste freuen sich sehr, wenn Schüler im Friedel-Orth-Hospiz sind. Sie bringen viel Leben in das Hospiz, haben Zeit, um z. B. mit ihnen Gesellschaftsspiele zu spielen, vorzulesen, gemeinsam zu kochen und zu backen oder ähnliches", sagt Regina Grimm. Die Zeit im Friedel-Orth-Hospiz nähert sich für Emily und Kira zum Ende. Beide freuen sich wieder auf ihren Arbeitgeber. Langfristig haben sie jedoch unterschiedliche Vorstellungen. Kira möchte studieren und Lehrerin werden, um ihr Wissen weiterzugeben. Emily möchte weiter in der Pflege arbeiten: "Entweder im Krankenhaus oder in der Ambulanten Pflege." An ihre Zeit im Hospiz werden beide jedoch gerne zurückdenken und sie wollen versuchen ihre Eindrücke und Erfahrungen aus dem Friedel-Orth- Hospiz in ihren späteren Einsatzbereichen ein wenig umzusetzen.

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Zitrone, Rose, Zimt, Lavendel, Mandarine - viel mehr als Düfte

Wer von uns hat nicht sofort eine Erinnerung vor Augen und dann vielleicht auch einen Duft in der Nase, wenn er die Überschrift liest? Düfte sind uns vertraut, geben Geborgenheit, erinnern uns an Jahreszeiten und Ereignisse, im günstigsten Falle sind diese Erinnerungen positiv und dies machen wir uns im Friedel-Orth-Hospiz in Jever zunutze, indem wir viel mit naturreinen Aromaölen arbeiten.

Da es sich bei den Aromaölen um hochpotente und konzentrierte Pflanzenextrakte handelt, ist es sehr wichtig, dass der Anwender ein gutes Wissen um die Wirkung und die Einsatzmöglichkeiten dieser Öle hat. Durch Fortbildungen und entsprechende Literatur haben wir uns unser an Wissen angeeignet und uns auf eine kleine und sinnvolle Auswahl aus über 100 naturreinen Aromaölen begrenzt.

Die naturreinen Aromaöle werden verdünnt in sogenannten "fetten Ölen" - bei uns sind das Mandel-, Johanniskraut- und Sonnenblumenöl in Bio-Qualität - angewendet, wenn sie in direkten Hautkontakt kommen. Verdünnt in Wasser nutzen wir die Aromaöle zur Raumbeduftung, unverdünnt nur insofern, dass wir 1 Tropfen eines Aromaöles auf einen Tupfer geben. Hierbei und bei der Raumbeduftung wird der Duft des Öles durch die Nase eingeatmet und gelangt über unsere Riechzellen sehr schnell ins Gehirn. Dort können die Pflanzenwirkstoffe ihre Wirkung entfalten (z.B. ist Lavendel beruhigend, Rose ausgleichend, Zitrusfrüchte sind anregend etc.). Dies zeigt, dass die Raumbeduftung nicht nur dazu da ist, unangenehme Gerüche zu dämpfen.

Bei Einreibungen und Massagen gelangen die Wirkstoffe zusätzlich über die Haut in die Blutbahn. In der Pflege können wir die Öle nutzen, indem wir unsere Gäste z.B. mit einer Ölmischung waschen oder sie einreiben. Da Aromaöle aber auch jeweils ein eigenes therapeutisches Spektrum besitzen, kann man sie zur Therapie, z. B. von Soor, Mykosen, bei Dekubiti oder bei Schmerzen einsetzen. Hier allerdings bedarf es einer ärztlichen Anordnung.

Einige unserer unheilbar erkrankten Gäste sind ganz begeistert von der Aromapflege: "Das ist ja wie im Wellnesstempel. Hätte ich das gewusst, wäre ich eher gekommen", hörte ich letztens von einem Gast. Am Nachmittag wandte sich unser Gast mit Übelkeit an uns und erhielt zunächst einmal einen Tupfer mit Zitronenöl. Dies nahm ihr die Übelkeit, vermittelte Frische und tat ihr sofort einfach nur gut. Zusätzliche Medikamente benötigte sie nicht. Alternativ wurde ihr Pfefferminzöl angeboten. Sie entschied sich für die Zitrone auf dem Tupfer und wählte zusätzlich Pfefferminze als Raumduft. Die sich hiermit entwickelnde klare und frische Raumluft empfand sie als Wohltat. Zur Nacht wurden ihr der Rücken und die kalten Füße mit Lavendelöl massiert. Abschließend erhielt sie ein warmes Handtuch, um die eingeriebenen kalten Füße und konnte wunderbar entspannen. Das Zimmer füllte sich mit dem Duft des Lavendels. Unser Gast genoss die Zuwendung, den Duft des sanften Lavendels, die Wärme. Es entstand für sie ein Ort der Geborgenheit und eine Atmosphäre des Vertrauens, des Sich-lassen-könnens. Dies führte sie zu der Aussage, bei uns sei es wie im Wellnesstempel.

Für uns ist es wichtig, dass unsere Gäste, die Menschen, die in ihrer letzten Lebensphase sind und meistens schon viele schwere Untersuchungen und Therapien hinter sich haben, zur Ruhe kommen können, dass sie möglichst wenig Medikamente bekommen und durch bestmögliches Wohlbefinden ein Höchstmaß an Lebensqualität behalten können; so gut es eben geht. Einen Beitrag hierzu leisten uns die wertvollen Wirkstoffe der Pflanzen in Form der Aromaöle.

Petra Hülsebus

Tränen sind erlaubt

Sonntag, kurz nach 14.00 Uhr, auf dem Spitzböhn im Friedel-Orth-Hospiz in Jever: Jochen Krauss und Hilda Corell sind fleißig: Sie decken die Tische ein und sprechen über das Trauercafé, das in einer knappen Stunde losgeht. "Angemeldet haben sich 14 Trauernde, erfahrungsgemäß kommen auch immer ein paar Menschen spontan vorbei", sagt Jochen Krauss. Er ist seit etwa eineinhalb Jahren ehrenamtlicher Teil des Trauercafés, genau wie Hilda Corell.

Alle zwei Monate bietet das Friedel-Orth-Hospiz Menschen, die ihren Partner, ihren Bruder, ihre Schwester oder auch einen Nachbarn verloren haben, einen geschützten Raum, an dem sie sich austauschen können. Wie lange der Tod in etwa her ist und wie häufig sie das Trauercafé aufsuchen, ist ganz unterschiedlich. "Einige Besucher kommen nur ein oder zwei Mal vorbei, andere über mehrere Jahre", erklärt Hilda Corell. "Die Menschen hier begegnen sich auf Augenhöhe, geben sich Tipps, hören zu", ergänzt Jochen Krauss. "Es haben sich hier auch schon neue Kontakte entwickelt und einige der Besucher treffen sich mittlerweile auch außerhalb des Trauercafés."

Mittlerweile sind auch die beiden Ehrenamtlichen Christa Kuprat und Elke Bothe eingetroffen und unterstützen bei den Vorbereitungen. Es wird Kaffee organisiert, Blüten liebevoll auf den Tischen verteilt und Kuchen geschnitten.

Um kurz vor 15.00 Uhr treffen die ersten Besucher des Trauercafés ein. "Wir Ehrenamtlichen verteilen uns ein bisschen unter den Besuchern und schauen, wo besonders Gesprächsbedarf besteht", erzählt Jochen Krauss. Zunächst begrüßt er jedoch die Anwesenden und weist daraufhin, dass das Trauercafé ein besonders geschützter Raum ist, an dem natürlich auch Tränen erlaubt sind. Außerdem liest er eine Geschichte vor, heute ist es "Spuren im Sand" von Margaret Fishback Powers. "Die Menschen brauchen anfangs immer ein bisschen, um aufzutauen. Eine Geschichte am Anfang kann dabei helfen."

Es dauert nicht lange, bis die Gespräche in Gang kommen - so auch bei Ottrud Röttger, deren Mann Holger im Oktober 2015 verstorben ist. Wenige Wochen vor seinem Tod hatte sie Kontakt zum Friedel-Orth-Hospiz aufgenommen. "Als klar wurde, dass mein Mann austherapiert ist, habe ich mit Frau Woda und Frau Grimm vom Hospiz gesprochen. Kurz bevor Holger hier aufgenommen werden konnte, ist er jedoch verstorben", erzählt Ottrud Röttger. Das Friedel-Orth-Hospiz ist für sie dennoch ein besonderer Ort: "Dieses Haus mit seinen Mitarbeitern ist ein Segen. Und auch das Trauercafé ist für mich ein großes Geschenk." Mittlerweile hat sie zu drei anderen Besuchern außerhalb des Trauercafés Kontakt: "Wir treffen uns alle vier bis sechs Wochen. Anfangs haben wir fast nur über unsere verstorbenen Partner gesprochen, mittlerweile reden wir aber auch über unsere Kinder und Enkelkinder und alles, was uns beschäftigt."

Nach gut eineinhalb Stunden geht das Trauercafé dem Ende zu. Jochen Krauss liest eine weitere Geschichte vor und weist auf den nächsten Termin an hin. Außerdem besteht bei Bedarf die Möglichkeit, mit den Ehrenamtlichen Einzelgespräche zu führen. Heute ist das nicht der Fall.

Jochen Krauss, Hilda Corell, Christa Kuprat und Elke Bothe tauschen sich über den Tag aus. "Es war ein sehr lebendiger Austausch", stellen alle vier fest. Nun räumen sie noch auf und verabschieden sich - bis zum nächsten Mal.

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Trost in schweren Zeiten

Eine besondere Idee für junge Menschen, mit ihrer Trauer beim Verlust eines geliebten Menschen umzugehen, entwickelte Katrin Herz, Pflegefachkraft im Friedel-Orth-Hospiz. In einer Trostkiste bewahrt sie verschiedene Gegenstände auf, die symbolisch die Gedanken, Wünsche und Empfindungen der jungen Leute aufnehmen. Dazu gehören z. B. Trauerpüppchen, Schmeichelsteine, Wärmekissen, Briefumschläge oder Bücher.

"Ich habe immer wieder gemerkt, dass es Menschen gut tut, in so einer schweren Situation etwas in der Hand zu haben", sagt Katrin Herz. "Die Gegenstände für die Trostkiste habe ich dafür sehr sorgfältig ausgewählt." So spendet das Wärmekissen Wärme in dieser sehr kühlen Situation und der Briefumschlag ist für kleine Briefe, mit dem Kinder ihren Eltern oder Großeltern noch etwas mit auf ihre letzte Reise geben können.So hat sich ein achtjähriges Mädchen  gemeinsam mit ihrem Vater von ihrer Mutter eine Locke abgeschnitten, als diese verstorben ist. Anschließend hat sie sich selbst ebenfalls eine Strähne abgeschnitten, die sie in einem kleinen Briefumschlag ihrer Mutter mit auf ihren letzten Weg gegeben hat. "Im Endeffekt muss in jedem Moment spontan entschieden werden, was zu der jeweiligen Person gerade passt - da ist schließlich jeder Mensch anders."

Die Idee zu der Trostkiste kam Katrin Herz, als die Mutter eines zehnjährigen Mädchens im Sterben lag: "Ich selber habe immer einen kleinen Schmeichelstein in meiner Hosentasche. Den habe ich in der Situation dem Mädchen gegeben, damit er ihr in der schweren Zeit Halt gibt." 

Katrin Herz hatte für die Kiste ein Bild im Kopf, das Rudi Opper malerisch umsetzen konnte. So hat er aus einer einfachen Holzkiste ein wahres Schmuckstück gemacht. Auf der einen Seite eine Kinderhand, auf der anderen die eines Erwachsenen - verbunden durch einen Regenbogen. Katrin Herz: "Ich finde, das ist ein schönes Symbol und zeigt, dass die Menschen auch über den Tod hinaus miteinander verbunden sind - nur auf zwei verschiedenen Seiten."

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Gemeinsam lachen und trauern

„Die Dankbarkeit, die wir im Hospiz spüren, ist das Schönste an unserer ehrenamtlichen Tätigkeit“, sind sich Christel Hahn und Christel Janßen einig. Beide verbringen einen Teil ihrer Freizeit im Friedel-Orth-Hospiz in Jever.

Christel Hahn ist seit mittlerweile fast vier Jahren dabei. „Ich war damals arbeitslos und wollte meine Zeit sinnvoll nutzen“, sagt sie.  „Da ich gerne mit Menschen zusammen bin, war das für mich genau das Richtige.“ Christel Janßen gehört zu den Ehrenamtlichen der ersten Stunde. „Als ich hier meinen ersten Dienst hatte, waren die ersten Fußleisten noch gar nicht richtig befestig“, lacht sie heute. „Dennoch habe ich mich dem Haus gleich verbunden gefühlt.“ Viel länger als dem Haus fühlt sich Christel Janßen jedoch dem Hospiz- und Palliativgedanken verbunden: „Ich komme beruflich aus der Pflege. Als ich vor über 20 Jahren in der Zeitung eine Anzeige für eine Ausbildung als Sterbebegleitung gesehen habe, war mir sofort klar, dass ich das machen möchte.“ Doch auch wenn sie diesem Ehrenamt gerne nachgeht, hatte sie immer den Wunsch verspürt, sich eines Tages auch in einem Hospiz einzusetzen.

Ihr Ehrenamt im Friedel-Orth-Hospiz umfasst das Alltägliche in der Einrichtung, sagen die beiden Christels. „Man kann es sich teilweise vorstellen wie ein großer Haushalt“, so Christel Hahn. Im Mittelpunkt steht jedoch immer der einzelne Gast. „Der größte Teil unserer Tätigkeit spielt sich in der Wohnküche ab. Es ist wichtig, dass immer einer von uns da ist. So können die Gäste, wenn sie das Bedürfnis haben, mit uns ins Gespräch kommen“, ergänzt Christel Janßen. Dann wird geklönt, Fotos angeguckt oder auch Musik gehört – je nachdem, was der Gast möchte und kann. Dabei werden auch oft kleine Wünsche erfüllt. „Gerade das Essen spielt in der letzten Lebensphase oft eine große Rolle – es weckt Erinnerungen“, sagt Christel Hahn. So passiert es auch mal, dass abends auf Wunsch des Gastes noch ein paar Spiegeleier gebraten werden oder jemand eine Currywurst vom Imbiss holt. Doch auch außergewöhnliche Wünsche werden den Gästen erfüllt. „Ein Gast hatte immer eine bestimmte CD gehört. Eines Tages fragte er mich, ob ich Walzer tanzen kann. Als ich das bejahte, hat er mich tatsächlich zum Tanzen aufgefordert und wir haben in der Wohnküche zusammen getanzt“, erinnert sich Christel Janßen. Für Christel Hahn ist ein anderer Moment in ganz besonderer Erinnerung geblieben: „Wir hatten einmal einen Gast der großer Fan von Werder Bremen war. Eines Tages kam der ehemalige Werder-Manager Willi Lemke ins Hospiz. Neben vielen Fanartikeln hat er vor allem Zeit mitgebracht. Das fand ich großartig. Unser Gast konnte sein Glück kaum fassen.“

Doch trotz aller schönen und fröhlichen Momente wird im Hospiz natürlich auch getrauert. „Gerade, wenn ein Gast länger im Hospiz ist, bauen wir oft eine Beziehung zu ihm auf“, sagen die beiden Christels. „Dann sind wir besonders traurig, wenn er gehen muss. Aber wir lernen, damit umzugehen, denn auch das gehört dazu.“ Um die Ehrenamtlichen mit ihren Gedanken nicht alleine zu lassen, können sie an der Supervision teilnehmen. Außerdem haben auch die Hauptamtlichen immer ein offenes Ohr für sie.

Wer Lust hat, sich im Hospiz ehrenamtlich zu engagieren, sollte vor allem Zeit mitbringen. „Wir haben feste Tage, an denen wir im Hospiz sind. Die haben wir fest in unseren Alltag integriert. Das ist auch wichtig, schließlich muss auf uns Verlass sein“, sagen beide. „Auch wenn wir ein tolles Team sind, würden wir uns sehr freuen, wenn wir bald neue Ehrenamtliche in unserer Mitte begrüßen können.“